Kontrast Normale Farben Schwarz/Weiß

Geschichte des MKV

Zu einem Spezifikum der österreichischen Bildungslandschaft zählt der Umstand, dass bereits an Gymnasien Professoren lehren. Dementsprechend wurden bereits die Schüler der Oberstufe mitunter als „Studenten“ bezeichnet. In krassem Widerspruch dazu stand das in der Monarchie geltende Verbot, an höheren Schulen Vereine zu bilden oder sich solchen anzuschließen. Wollten die k. u. k. Bürokraten damit für Ruhe in den Klassen sorgen, erreichten sie bei den  15-18jährigen, überwiegend männlichen Betroffenen das genaue Gegenteil. Der „Reiz des Verbotenen“ bewirkte eine breite studentische Subkultur mit geheimen Verbindungen.

Die Anfänge der katholischen Mittelschülerverbindungen in der Monarchie

 

Die ersten Spuren katholischer Mittelschulverbindungen finden sich 1859 in Linz.
Sie und viele andere dieser kurzlebigen Schülerverbindungen hinterließen wenig Spuren, die sich im Falle eines „Aufflugs“, also einer Entdeckung durch die Schulbehörden, verheerend auf die Mitglieder ausgewirkt hätte.  Das dabei praktizierte Strafspektrum beinhaltete in einigen überlieferten Fällen sogar den Abbruch der Schulausbildung.

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Erst die 1876 entstandene Teutonia Innsbruck, heute die älteste Verbindung des MKV, konnte sich dauerhaft behaupten. Mit ein Ziel dieser studentischen Organisationen war es, an den von liberalen und oft auch nationalen Professoren beherrschten Mittelschulen katholisches Gedankengut zu vertreten.

Nach 1900 entstanden innerhalb weniger Jahre in beinahe heutigen Bundesländern katholische Mittelschulverbindungen, von denen sich die meisten dem bereits 1900 gegründeten „Mittelschüler-Cartell-Verband“ (MCV) anschlossen. Noch knapp vor dem 1. Weltkrieg löste sich dieser wieder auf.

Mit dem Zusammenbruch der Monarchie  wurde den Mittelschülern die „Koalitionsfreiheit“ gewährt, erst ab diesem Zeitpunkt konnten sie an das Licht der Öffentlichkeit treten. Zur selben Zeit entstand als Nachfolger des MCV der „Verband katholisch – deutscher Pennalverbindungen Österreichs“ (VPV), dem im Laufe der Zeit 68 Verbindungen angehörten und der 1921 mit der „Burschenwacht“ eine Verbandszeitschrift herausbringen konnte. Gegen 1930 zerfiel er aber aufgrund interner Streitigkeiten.

Parallel dazu bildete sich der „Christlich-Deutsche Studentenbund“ (CDSB) als politische Interessensvertretung der Mittelschüler, dem auch Mädchen angehörten und der sich erfolgreich auf kulturellem, sozialem und schulpolitischem Gebiet (etwa gegen die zeitweise geplante Abschaffung des Religionsunterrichts in den Schulen) engagierte.

In den Bezeichnungen der Organisationen dieser Zeit und auch der Verbindungen kommt häufig der Ausdruck „deutsch“ vor, die heute seltsam anmutet und nur aus dem Zusammenhang der Zeit zu verstehen ist. Einen Österreich-Patriotismus im heutigen Sinne gab es damals über weite Strecken noch nicht, sodass die aus der Vielvölker-Monarchie übernommene, sprachlich definierte Selbstbezeichnung kritiklos übernommen wurde.  Recht bald sollte sich das Dilemma dieser sprachlichen Unschärfe  herausstellen, da sich viele Kartellbrüder oft genug unter Einsatz ihres Lebens für ein unabhängiges Österreich engagierten.

Von der Gründung zum „Anschluss“ an Hitler-Deutschland

 

Die Idee einer bundesweiten Dachorganisation blieb aber weiter bestehen und führte schließlich 1933 zur Gründung des „Mittelschüler-Kartell-Verband der katholischen farbtragenden Studentenkorporationen Österreichs (MKV)“, dem zum Zeitpunkt der Auflösung 1938 bereits 78 Verbindungen angehörten.
Schon am 18. Oktober 1933, also gerade fünf Wochen nach seiner Gründung, hatte er für alle Verbandsmitglieder das Verbot der Zugehörigkeit zur NSDAP ausgesprochen.

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Zahlreiche Verbindungen engagierten sich mehr und mehr für pro-österreichische Aktivitäten, auch wenn darunter das eigentliche Verbindungsleben immer mehr zu kurz kam. Als die Einrichtung einer einheitlichen Jugendorganisation im Sinne des „Ständestaates“ verlangt wurde, lehnte der MKV aber einen Beitritt ab und schloss sich der, unter kirchlicher Führung stehenden, „Reichsarbeitsgemeinschaft katholischer Jugendverbände Österreichs“ an, die eine größere Bewegungsfreiheit garantierte.

Der rasche Aufstieg des MKV fand in der Nacht vom 11. auf den 12. März 1938 ein jähes Ende, als die Nazis die Buden (Verbindungsheime) stürmten und alles zerstörten oder beschlagnahmten. Die Verbindungen wurden von den neuen Machthabern aufgelöst und hunderte ihrer Mitglieder gemaßregelt, verhaftet oder in Konzentrationslager gebracht. Viele fanden den Tod in diesen Lagern oder wurden hingerichtet. Viele gingen in den Untergrund, gründeten Widerstandsgruppen oder beteiligten sich aktiv am Widerstand und dem Kampf für ein freies und unabhängiges Österreich.

Wiederaufbau nach Kriegsende

 

Der MKV selbst wurde bereits am 8. September 1945 reaktiviert und nach und nach erstanden auch fast alle Verbindungen wieder.
Seit 1949 erscheint wieder eine regelmäßige Verbandszeitschrift (die seit 1968 „couleur“ heißt) und 1954 folgte als Ausdruck der gefestigten Existenz der Beitritt zur „Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände“ (AKV) und die Aufnahme in den Österreichischen Bundesjugendring (heute: Bundesjugendvertretung BJV). Mitgliedschaften in weiteren Verbänden und Abkommen mit befreundeten Organisationen folgten. Mit der Errichtungen zahlreicher neuer höherer Schulen, suchte der MKV in den folgenden Jahren in solchen Orten neue Verbindungen zu gründen.

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Ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre begann der MKV sich systematisch in der Schulpolitik zu engagieren und kann heute auf große Erfolge verweisen. So gehen vor allem die großen Reformen der Schülervertretung und der Lehrplangestaltung in Österreich in vielen Dingen auf Impulse und Anregungen des MKV zurück. 1972 folgte die maßgeblich von Kartellbrüdern und dem  MKV selbst mitgetragene Gründung der „Union Höherer Schüler“ (UHS; heute: „Schülerunion“), um auf noch breiterer Basis positiv wirken zu können. Bis heute bringen sich Kartellbrüder als Klassen- und Schulsprecher ein und wiederholt haben MKVer als Landes- und Bundesschulsprecher gewirkt.

 Aktive Mitgestaltung von Schule, Gesellschaft und Europa

 

1975 kam es nach längeren Vorarbeiten wieder mit maßgeblicher Mithilfe des MKV, zur Gründung des „Europäischen Kartellverbandes christlicher Studentenverbände“ (EKV), dem heute 14 Verbände und zahlreiche einzelne Verbindungen und Vereine in 15 europäischen Ländern angehören und der insgesamt 120.000 Couleurstudenten in 660 Verbindungen repräsentiert.

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Damit entstand eine Interessensplattform christlicher Studentinnen und Studenten aus ganz Europa , die sich als NGO stark bei Europarat und europäischem Parlament engagiert.

In den 1980er Jahren und erneut 2010 widmete sich der MKV einer ausgiebigen Grundsatzdiskussion. Am Ende dieses breiten Prozesses  stand das aktuelle Grundsatzprogramm. In den letzten Jahren konnte der MKV wieder einen starken Aufschwung verzeichnen. Die verantwortlichen Kartellbrüder haben das Bildungs- und Seminarangebot ausgebaut, Initiativen im schulpolitischen Bereich gesetzt und sich in der jugend- und bildungspolitischen Diskussion wieder verstärkt zu Wort gemeldet.  Dabei ist es gelungen, für die Verbindungen einen Mehrwert zu schaffen, das Profil des Verbandes in der Öffentlichkeit zu  schärfen und aktives christliches Engagement in unserer Zeit zu leisten.