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MKV und ÖCV gedenken am Grab von Leopold Figl 1. Dachautransport vor 80 Jahren

05. April 2018 | Kultur, Politik, Startseite
MKV und ÖCV gedenken am Grab von Leopold Figl 1. Dachautransport vor 80 Jahren

Markus Figl: „Es ist unsere historische Verantwortung an den Horror des Nationalsozialismus zurückzuerinnern und diese Erinnerungen auch dafür zu verwenden, um zu warnen, dass so etwas nie wieder geschehen darf.“

Wien, 5.4.2018 (OTS) Die beiden großen katholischen couleurstudentischen Verbände, der Österreichische Cartellverband (ÖCV, kurz CV) und der Mittelschüler-Kartellverband (MKV), gedachten heute am Zentralfriedhof der Opfer des Nationalsozialismus anlässlich des 80. Jahrestages des ersten Transportes verhafteter Österreicher in das Konzentrationslager Dachau. Im Rahmen einer Kranzniederlegung am Ehrengrab des ehemaligen Bundeskanzlers Leopold Figl wurde im Beisein seines Großneffen Bezirksvorsteher Markus Figl Mahnwache gehalten und eine Gedenkveranstaltung abgehalten. Leopold Figl war eine von 150 Persönlichkeiten, die im April 1938 vom Wiener Westbahnhof per Bahn nach Dachau verfrachtet wurden. Teil dieses Transports waren hochrangige Beamte, Politiker mit sozialistischem, christlich-sozialem oder kommunistischem Hintergrund, Intellektuelle sowie Spitzenrepräsentanten der IKG. Neben Figl saßen zahlreiche weitere prominente Politiker, darunter auch Alfons Gorbach oder Franz Olah im Zug, der von den Nazis verhöhnend als „Prominententransport“ tituliert in die Geschichte einging.

„MKV und ÖCV haben unter den Nationalsozialisten extrem gelitten. Viele Verbindungsheime wurden noch in der Nacht zum 12. März 1938 gestürmt, das Inventar von den Nazihorden vernichtet und unsere Verbände und seine Verbindungen verboten“, erinnert der Vorsitzende des Mittelschüler-Kartellverbandes, Walter Gröblinger an die schreckliche Zeit des NS-Regimes.

Beide Verbände haben sich bereits frühzeitig gegen den Nationalsozialismus ausgesprochen: „Schon zehn Jahre bevor Hitler in Deutschland an die Macht gekommen ist, am 21. November 1923, hat der CV in Wien klargestellt, dass man als Nazi kein CVer sein kann und umgekehrt“, betont der Vorortspräsident des Österreichischen Cartellverbandes, Michael Jayasekara. Und auch der MKV hat bereits im Jahr seiner Gründung (1933) seinen Mitgliedern die Mitgliedschaft in der NSDAP untersagt. Wörtlich hieß es damals: „Es ist jedem Mitglied verboten der nationalsozialistischen Arbeiterpartei (Hitler-Bewegung) als Mitglied anzugehören oder ihre Interessen in irgendeiner Weise zu fördern.“ Dieser Beschluss galt bis zur Zwangsauflösung des MKV und seiner Verbindungen im Jahr 1938.

Jayasekara und Gröblinger betonen unisono: „Viele unserer Mitglieder wurden von den Nazis ermordet, oder in Konzentrationslager und Gefängnisse gesperrt. Dort wurden sie gefoltert und misshandelt, weil sie katholisch waren, weil sie überzeugte Österreicher waren. Andere verloren ihre Anstellungen, wurden ausgewiesen oder mussten andere Drangsal der Nazis erdulden. Dieser Gräueltaten wollen wir heute stellvertretend für Dutzende MKVer und ÖCVer und stellvertretend für Millionen Menschen, die unter der Naziherrschaft gelitten haben, am Grab von Leopold Figl gedenken.

Bei der Kranzniederlegung wurden auch die Leistungen Figls für Österreich gewürdigt. „Figl ist ein Stück des heutigen Österreich“, betont Gröblinger: „Wir sind ihm und allen seinen Zeitgenossen, die unser Land nach den 2. Weltkrieg aufgebaut haben, zu Dank verpflichtet und versprechen auch weiterhin an dieses Österreich zu glauben. An ein freies Österreich in einem freien Europa.“

„Trotz aller Schrecken in den Konzentrationslagern hat Leopold Figl nicht aufgegeben und nie seinen Glauben an Österreich verloren. Statt sich nach seiner Befreiung zurückzuziehen, hat er sich unbeirrt für die Wiedererlangung der Souveränität Österreichs eingesetzt und als erster Bundeskanzler der Zweiten Republik dieses Land maßgeblich geformt. Sein unerschütterlicher Glaube an eine freie und unabhängige Zukunft Österreichs manifestiert sich auch in seinem berühmten Zitat ‚Glaubt an dieses Österreich‘. Seine Verbundenheit zu Österreich gab den Österreicherinnen und Österreichern wieder Mut und Hoffnung. Seine Persönlichkeit ist unvergesslich in unserem Gedächtnis und der Geschichte Österreichs festgeschrieben“, erinnert Großneffe Markus Figl: „Gerade im Gedenkjahr 2018 ist es unsere historische Verantwortung an diesen dunklen Teil unserer Geschichte zurückzuerinnern. Diese Erinnerung an den Horror des Nationalsozialismus gilt es vor allem auch dafür zu verwenden, um zu warnen, dass so etwas nie wieder geschehen darf.“

Seine entschieden anti-nationalsozialistische Haltung und sein Eintreten für die Unabhängigkeit Österreichs hätte Leopold Figl fast mit seinem Leben bezahlt. Er war zwischen 1. April 1938 bis 6. April 1945 fast durchgehend in Konzentrationslagern inhaftiert, erst in Dachau, wo er als erster Österreicher zur Prügelstrafe verurteilt wurde und anschließend sechs Monate Dunkelhaft ertragen musste, dann 1940 in Flossenbürg und anschließend wieder in Dachau. Nach einer zwischenzeitlichen Freilassung 1943 wurde er wegen seines neuerlichen Bemühens um die Schaffung politischer Strukturen mit österreichischer Prägung 1944 erneut inhaftiert und ins KZ Mauthausen gebracht. 1945 wurde der zu Tode verurteilte Leopold Figl ins Landesgericht für Strafsachen verlegt, wo er in der Todeszelle auf seine Hinrichtung warten musste. Allein das Kriegsende und die Befreiung durch die Alliierten retteten ihm das Leben.

Obwohl politische Diskussionen im KZ strengstens verboten waren, kam es bald zu Gesprächen zwischen den inhaftierten Österreichern der verschiedenen politischen Lager. Die Zusammenarbeit der einst bis zum Bürgerkrieg verfeindeten Sozialdemokraten und Bürgerlichen hatte im „Geist der Lagerstraße“ und im gemeinsam erfahrenen Leid ihre Wurzeln. Aus diesem Geist heraus war es für viele dieser KZ-Insassen – an der Spitze Leopold Figl – eine patriotische Selbstverständlichkeit am Wiederaufbau eines demokratischen Österreichs mitzuwirken.

„Die hohe Anzahl an katholisch-korporierten Gefangenen des ‚Dachauer-Prominententransportes‘ zeigt mit aller Deutlichkeit, dass auch Katholisch-korporierte und andere Vertreter des katholischen Lagers zu den ersten Opfern des Nationalsozialismus gehörten“, stellen Gröblinger und Jayasekara abschließend fest.

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