Zwischen Zahlen und jeder Menge Fakten
Die AHS bleibt Österreichs beliebteste Schulform und wächst seit Jahrzehnten. Zwischen Reformplänen, neuen Fächern und steigenden Schülerzahlen zeigt der Blick auf die Statistik, wie stark Bildungswege von Nachfrage, Demografie und Herkunft geprägt sind.
Sie ist die mit Abstand beliebteste Schulform in Österreich: die Allgemeinbildende Höhere Schule. Und das wird sie auch noch eine Zeitlang bleiben.
Geht es nach den Plänen von Bildungsminister Christoph Wiederkehr, soll die Bildungsreform sowohl Mittelschule als auch AHS ab dem Schuljahr 2027/28 stärken. Damit sollen beide Schultypen noch besser auf das „echte Leben vorbereiten“, so der NEOS-Politiker und „Österreichs Schulen an die Weltspitze führen“. Neue Fächer wie Medienbildung und KI sollen beginnend ab dem Schuljahr 2027/28 in den Lehrplan aufgenommen werden.
Ansturm auf die Oberstufe
In den vergangenen 50 Jahren sind die SchülerInnenzahlen an den Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS) deutlich gestiegen. Besuchten im Schuljahr 1970/71 nur 138.269 SchülerInnen diese Schulform, waren es 2022/23 bereits auf über 211.846. Diese Zahlen entstammen der Publikation „Fokus Jugend“ des Österreichischen Instituts für Familienforschung an der Universität Wien. Über 361 AHS-Standorte gibt es derzeit bundesweit – um 14 mehr als vor zehn Jahren, was nicht viel ist, wenn man bedenkt, dass in den Bezirken Donaustadt und Liesing um jeweils 50.000 Menschen mehr leben als noch vor 15 Jahren.
HTL vor HAK
Bei den weiterführenden Schulen verzeichnet die AHS-Oberstufe im Zehnjahresvergleich einen Anstieg um einen halben Prozent auf knapp 92.000 SchülerInnen, heißt es von der Statistik Austria. Bei kaufmännischen höheren Schulen ist dagegen die Besuchszahl im Vergleichszeitraum um 1,9 Prozent gesunken, bei technischen und gewerblichen höheren Schulen (HTL) um 6,4 Prozent und bei wirtschaftsberuflichen höheren Schulen sogar um 8,5 Prozent. Bildungsanstalten für Elementar- bzw. Sozialpädagogik verzeichnen eine Zunahme von knapp vier Prozent. Die Schulbildung der Eltern wirkt sich erheblich auf die Bildungslaufbahn aus: Von über einem Viertel der ordentlichen Neuzugelassenen an öffentlichen Universitäten mit österreichischer Staatsbürgerschaft haben beide Eltern einen Hochschul- oder Akademieabschluss.
Weniger Babyboomer
Die AHS-Unterstufe verzeichnete zuletzt mit 125.375 Lernenden einen neuen Höchststand – kamen auf 100 AHS-SchülerInnen vor zehn Jahren noch 185 Jugendliche in Hauptschulen und Mittelschulen, sind es jetzt nur noch 174 in Mittelschulen. Laut Statistik Austria wirken sich die sinkenden Geburtenzahlen der 1990er-Jahre auf die SchülerInnenzahlen aus. Dass die Matura aber nach wie vor abgelegt werden will, zeigen die Zahlen: Im Jahr 2025 traten 39 825 AHS und BHS-SchülerInnen beim Haupttermin zur standardisierten Reife- und Diplomprüfung (sRDP) an. Über 92 Prozent von ihnen schlossen sie positiv ab. Rund 20 Prozent der KandidatInnen erzielten einen „ausgezeichneten Erfolg“ sowie 19,6 Prozent einen „guten Erfolg“, so die Statistik Austria.
Ob und wie sich die von der Politik geplanten Reformen auf die Beliebtheit der AHS auswirken wird, bleibt abzuwarten. Denn angekündigte Revolutionen finden selten statt.