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Frühe Bildung beginnt mit Neugier. © UNSPLASH.COM/TANAPHONG-TOOCHINDA

Wo Kinder lernen, wie sie wollen

Frühe Bildung ist weit mehr als Betreuung. Kinder lernen durch Neugier, Bewegung, Sprache und Beziehung. Der richtige Betreuungsschlüssel entscheidet dabei oft, ob jedes Kind wirklich gesehen, begleitet und in seiner Entwicklung gestärkt werden kann.

Da ein großer Teil der Persönlichkeitsentwicklung in den ersten Lebensjahren passiert, ist die pädagogische Arbeit im Kindergarten besonders wichtig. Bei meiner Ausbildung zum Kindergruppenbetreuer und Tagesvater habe ich das bereits von Anfang an so mitbekommen. Das Bild vom Kind steht im Mittelpunkt, Entwicklungspsychologie ist ein großer Teil der Ausbildung. Im Gegensatz dazu habe ich in meinem Studium der Pädagogik an der Universität Wien kein einziges Mal etwas darüber gehört, dass Kinder von Natur aus eigenständig, wissbegierig, sozial und ganzheitlich sind, ganz zu schweigen davon, was das überhaupt bedeutet. Das war für mich der zweite Anstoß, das Lehramtsstudium an den Nagel zu hängen. In meiner eigenen Schulzeit habe ich selbst die Erfahrung gemacht, dass Leistung erbringen zu müssen und der Druck dahinter der Neugierde im Weg stehen. Kinder wollen erleben, ausprobieren und begreifen, ohne etwas zu müssen oder dem Leistungsdruck ausgesetzt zu sein, besser zu sein als andere.

In dieser Art des spielenden Lernens hat auch die Bewegung einen großen Stellenwert. Nicht nur, um seinen eigenen Körper besser zu kennen, auch für die kognitive und psychische Weiterbildung ist Bewegung unabdingbar. Daher wird in den Kindergärten und Kindergruppen auch großer Wert auf Ausflüge, Zeit im Garten oder im Turnsaal gelegt. Das geht im späteren Bildungsweg leider oft verloren.

Wenn 20 Kinder von zwei Erwachsenen betreut werden, ist es unmöglich, jedes Kind an jedem Tag dort abzuholen und zu begleiten, wo es gerade in seinem Leben und in seiner Entwicklung ist.

Auch die soziale Bildung wird bei Bewegungsspielen gefördert. Als Tagesvater habe ich das Privileg, Kinder in einer sehr kleinen Gruppe zu betreuen, dadurch kommt auch kein Kind zu kurz. In meinen Jahren in verschiedenen Kindergärten hatte ich oft das Gefühl, dass es schwierig ist, eine ausreichende soziale Bildung für alle Kinder zu garantieren, da einfach zu viele Kinder auf zu wenige Betreuungspersonen kommen. Wenn 20 Kinder von zwei Erwachsenen betreut werden, ist es unmöglich, jedes Kind an jedem Tag dort abzuholen und zu begleiten, wo es gerade in seinem Leben und in seiner Entwicklung ist. Gerade in diesem Alter können sich soziale Ängste durch Überforderung manifestieren, die im späteren Leben anschließend zu schweren psychischen Belastungen führen können.

Kinder können mehrsprachig aufwachsen

Zusätzlich bedeuten wenige Betreuungspersonen auch, dass die Kinder weniger sprachlich begleitet werden können. Es wird geklagt, dass Kinder nach dem Kindergarten nicht „richtig“ Deutsch können. Viele Kindergärten und Kindergruppen haben Betreuungspersonen mit Migrationshintergrund, und diese haben oft eine andere Erstsprache als Deutsch. Dass Kinder mehrsprachig aufwachsen können und die in Österreich vertretenen Sprachen Albanisch, Türkisch, Bosnisch, Kroatisch und Serbisch etc. zumindest teilweise verstehen lernen, wird nicht gefeiert. Das erleichtert sogar die Kommunikation mit den Kindern mit Migrationshintergrund und vor allem mit deren Eltern und ist daher essenziell für eine funktionierende Integration. Mehrsprachigkeit scheint aber nur dann im Trend zu liegen, wenn es die „richtige“ Sprache ist. Erwiesen ist übrigens auch, dass Menschen eine zweite Sprache besser erlernen, wenn sie ihre Erstsprache differenzierter beherrschen. Ich habe in meiner kleinen Gruppe kein Kind, das Deutsch als Erstsprache hat oder bei dem zu Hause Deutsch gesprochen wird. Ich spreche mit ihnen ausschließlich Deutsch, und alle verstehen mich. Daher nehme ich an, dass nur ein Mensch in einer Kindergruppe, zwölf oder weniger Kinder, gut Deutsch können muss, um die Deutschkenntnisse zur Genüge zu fördern. Auch meine Erfahrungen in einer AHS in 1220 und in einer Sonderschule in Niederösterreich haben mir gezeigt, dass der richtige Betreuungsschlüssel essenziell für das Vorankommen der Kinder ist. Und nicht nur das: Auch ausreichend Personal ist ausschlaggebend dafür, dass die Betreuenden Spaß und Freude an ihrem Beruf haben.

Solange der Kindergarten in Österreich als reine Betreuungseinrichtung gesehen wird, obwohl von Studium und Gesetz erwartet wird, dass es eine pädagogische Einrichtung ist, werden sich die Probleme in den Institutionen, die sich um den wichtigsten Teil der psychologischen Entwicklung im Leben eines Menschen kümmern, leider immer mehr häufen.

Spiel ist kein Zeitvertreib, sondern Bildung. © UNSPLASH.COM/BBC-CREATIVE