Wenn mitten im Lärm der Stadt Ostern wird
Ostern mitten in der Großstadt: Während draußen am Stephansplatz das Leben pulsiert, breitet sich im Dom das Licht der Osternacht aus. Ein persönlicher Blick eines Diakons auf stille Momente, überraschende Begegnungen – und auf die leise, aber kraftvolle Hoffnung der Auferstehung.
Die Fastenzeit an sich und an ihrem Ende das Osterfest zu begehen, ist für mich in jedem Jahr eine besondere Zeit. Als ständiger Diakon bin ich verheiratet und habe einen siebenjährigen Sohn, und so war es in den letzten Jahren meist so, dass ich die Osternacht wie alle Mitfeiernden inmitten der Kirche verbracht habe – halte selbst eine Kerze in der Hand und lasse mich hineinnehmen in diese besondere Zeit. Und das mitten in einer pulsierenden Stadt: draußen Touristenströme, Gespräche, Handykameras im Dauereinsatz. Drinnen Stille und Erwartung.
Am stärksten erlebe ich das in der Osternacht. Wenn noch Dunkelheit die kleine, zerbrechlich wirkende Flamme umfängt. Und sie doch alles in sich trägt. Beim dreimaligen „Lumen Christi“ sehe ich, wie sich das Licht von Kerze zu Kerze ausbreitet. Einmal stand auch ein Kind neben mir (mein Sohn schläft um diese Zeit längst), die Kerze fest umklammert, obwohl ihm heißes Wachs über die Finger rann. Die Mutter wollte helfen, doch das Kind sagte ernst: „Nein, Mami. Ich halte das Licht.“ Ich musste lächeln. Dieser Satz begleitet mich seither. Ostern heißt: Wir halten das Licht – auch wenn es einmal „heiß“ wird.
Der Stephansdom ist nie ein abgeschlossener Raum. Während wir feiern, kommen Touristen herein, bleiben zwar während der Messe in einem abgegrenzten Bereich, machen vielleicht ein Handyfoto – aber manche werden berührt und werden plötzlich Teil dieser Feier, die viel älter ist als diese Stadt. Nach einer Messe sprach mich einmal ein junger Mann an. Warum, weiß ich nicht. Er meinte, er sei eigentlich nur zufällig in den Dom gekommen. Er wollte nur kurz hineinschauen, da er schon lange nicht mehr da gewesen war, und dann sagte er: „Aber irgendetwas hat mich innerlich gehalten – wollte mich nicht mehr gehen lassen –, hier zu bleiben und mitzufeiern.“
Wir redeten noch einige Zeit. Er war nicht getauft, nicht kirchlich sozialisiert. Auch in seinem Herzen gab es reale Karfreitage. Die Herausforderung für mich als Seelsorger: Wie spricht man von Hoffnung, wenn Leid so greifbar ist? Aber er hatte in dieser Liturgie etwas gespürt, das größer war als er selbst. Manchmal geschieht Auferstehung genau dort, wo niemand sie geplant hat.
Auferstehung trifft auf Unvorbereitetheit. Und manchmal geschieht genau dort das Wunder.
Ich dachte an die Momente, in denen ich selbst Dunkelheit erlebt habe. Zweifel. Erschöpfung. Situationen, die nicht „glänzend“ waren. Und die Frage: Was bedeutet Auferstehung – in einer Stadt, in der so viele einsam, müde, suchend oder gleichgültig sind?
Aber auch an die persönliche Erfahrung, dass nach einem inneren Stillstand wieder Bewegung kommt. Dass nach einem Scheitern ein neuer Anfang möglich wird – Auferstehung. Auferstehung geschieht nicht außerhalb des Lebens, sondern mitten darin.
Für mich persönlich ist Ostern weniger ein lauter Jubel als eine leise Gewissheit: Wenn am Ostersonntag die Glocken über den Stephansplatz klingen, darf ich Dankbarkeit empfinden. Nicht weil alles perfekt ist, sondern weil mitten im Lärm dieser Stadt eine Botschaft hörbar wird: Das Licht siegt, das Licht bleibt. Und vielleicht besteht unsere Aufgabe als Christinnen und Christen schlicht darin, wie dieses Kind, von dem ich erzählt habe, in der Osternacht zu sagen: „Ich halte das Licht.“ Und wir alle dürfen es halten – daran festhalten, wenn wir es nur wollen, wenn wir es nur zulassen.