Turmratschen in Klosterneuburg
Wenn in der Karwoche die Glocken schweigen, übernehmen in Klosterneuburg die Ratschen das Wort. Bundes- und Kartellbrüder führen am Nordturm der Stiftskirche eine alte Tradition fort, die längst zum Fixpunkt geworden ist.
Seit einigen Jahren wird in Klosterneuburg die Tradition des Turmratschens durch Bundes- und Kartellbrüder sowie Kartellschwestern der vier Studentenverbindungen betrieben. Das Ratschen am Nordturm der Stiftskirche Klosterneuburg stellt mittlerweile einen Fixpunkt dar. Zuvor war dies Aufgabe der Ministranten.
Mit der Renovierung der Kirchtürme 2020 und einem anstrengenden Nachmittag begann die Tradition. Es mussten zunächst die zwei am Südturm der Stiftskirche lagernden Ratschen händisch auf den Nordturm transportiert werden, da der eine Turm wegen Renovierungsarbeiten nicht mehr zugänglich war.
Die etliche Kilogramm schweren Ratschen wurden im ersten Lockdown (!) mit Maskenschutz (!) über die Baugerüste runter und schließlich wieder über eine enge Wendeltreppe auf den anderen Turm hinaufgebracht.
Nach einer im Jahr 2021 Lockdown–bedingt recht kleinen Truppe an „Ratschenbuam“ wurde das Brauchtum in weiterer Folge intensiviert. In Klosterneuburg ansässige Bundes- und Kartellbrüder wurden aktiv informiert und binnen kürzester Zeit fand sich eine beachtlich große Gruppe an interessierten Arminen, die beim Ratschen mitwirkten. Von jungen Aktiven über Bundesbrüder mit Familie bis hin zu Alten Herren plagen sich am Karfreitag und Karsamstag über dutzende Treppen hinauf, um mit lautem Knarren und Knattern die Kirchenglocken zu ersetzen.