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Ostern im Kloster

Ostern beginnt nicht nur im Kloster weit vor dem eigentlichen Fest. Man könnte theologisch fast sagen zu Weihnachten, doch die konkrete Vorbereitung ist die Fastenzeit.

Der Beginn

Ab dem Aschermittwoch kommt zu den fleischfreien Tagen Freitag und Mittwoch der Montag hinzu. Zudem sollte sich jeder Mönch ein Buch heraussuchen, dass er für die Lectio Divina* in den folgenden mehr als vierzig Tagen für die innere Einkehr liest. Zudem sollte jeder seine Zelle von allem befreien, das er im letzten Jahr nicht gebraucht hat – ein empfehlenswerter Ansatz! Die folgende Zeit kann man grob in zwei Teile einteilen: erst die innere Einkehr, Umkehr und Betrachtung seiner Beziehung zu Gott und ab dem Passionssonntag, an dem die Kreuze verhüllt werden, das intensive mystische Erspüren des Leidens Christi. Übrigens thront über dem Heiligenkreuzer Altar ein Kreuz mit dem Auferstandenen! Daher ist es von Beginn der Fastenzeit bis in die Osternacht verhüllt – nicht in violett, sondern in rot.

Die Karwoche

Nach der Vorbereitungszeit treten die Mönche in die eigentliche Feier des höchsten Festes der Christenheit ein. Der Palmsonntag ist ein gefühltes Aufatmen. Christus ist unser König, auch wenn wir wissen, dass Er es mit einer Dornenkrone sein wird. Die Karwoche mit dem Triduum Sacrum (Anm.: „Heilige Drei Tage“), ist daher eine Mischung von Intensiver Trauer und Vorfreude. Es ist schwer zu beschreiben, da es sich jenseits unserer sinnlichen Auffassungsgabe abspielt. Die letzten praktischen Vorbereitungen und Reinigungen lassen uns in dieser Welt der Aufopferung häufig genug in einer Geduldsprobe. Fasten macht uns dünnhäutig und angreifbar, so wie es sogar Jesus in der Wüste zu sein schien?!

Das Triduum Sacrum

Die letzten drei Tage von Gründonnerstag bis einschließlich Osternacht nennt man heilige Dreiheit. Die Liturgie ist streng genommen eine einzige Feier über drei Tage. Sie wird ab der Abendmahlsfeier, bis zur Osternacht weder mit einer Entlassung beendet noch feierlich eröffnet. Die Mönche tauchen in der Zeit, wie alle Christen direkt in das Geschehen der Passion ein. Es ist, als ob man dabei ist: Gründonnerstag die Freude der Einsetzung des größten Geschenks Gottes der Eucharistie und der besonderen Teilhabe am Priestertum Christi; Karfreitag das Mitleiden und hin und her geworfen sein zwischen dem Grauen der Hinrichtung und der Dankbarkeit dieses Opfers; die Grabesruhe des Karsamstages mit seiner Ratlosigkeit; die Osternacht der unsagbaren Freude – nach der geduldigen Aufnahme des Heilsgeschehens das herrliche Gloria zu schmettern.

Der Ostersonntag

Der Ostersonntag ist mit der folgenden Osteroktav eine einzige Feier in der Freude des Herrn. Ohne eine Vorbereitung kann Ostern sich bei uns nicht entfalten. Die Aufgabe des Mönches und eines jeden Christen ist es diese Vorbereitung ein Leben lang vorzunehmen, wie wir auch Ostern ein Leben lang feiern – jeden Sonntag und in jeder Hl. Messe.

*) Lectio Divina ist eine traditionelle, meditative Form der Bibellesung, die das Wort Gottes durch langsames Lesen, Reflektieren, Beten und Schweigen tief im Herzen verankern soll.