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Altehrwürdige Kulisse, moderne Perspektiven. © UNSPLASH.COM/CHRIS-BOLAND

Hinc Lucem et pocula sacra – ein Auslandsstudium in Cambridge

Ein Auslandsstudium in Cambridge ist mehr als ein akademischer Titel. Zwischen College-Traditionen, strenger Exzellenz und britischem Humor zeigt sich, wie prägend neun Monate für Fachwissen, Karriere und persönliche Verbundenheit sein können.

„Auctoritate mihi commissa admitto te ad gradum magistri legis, in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti.“ Diese altehrwürdigen Worte sprach der Vertreter der University of Cambridge. Ich kniete auf einem recht gemütlichen Samtpolster und wie der Heilige Geist auf mich herabströmte wurde ich das, wofür ich neun Monate hart gearbeitet habe: Master of Law. (Im Angeberlexikon heißt es eigentlich LL.M. (Cantab.). „Cantab.“ steht für Cantabrigiensis, bezieht sich also auf Cambridge. Aber meine österreichische Sozialisation – welche gebietet, mit Titeln möglichst viel anzugeben – sei hier mal außen vor gelassen.)

Ein Jahr mit vielen Erinnerungen

Ein Jahr – viele Erinnerungen. Um ein bisschen ein Gefühl dafür zu geben, auch zu den Unterschieden zu einer Studienkultur an der Universität Wien, von der ich damals bereits einen Magister iuris verliehen bekommen hatte, hier ein paar Anekdoten über das, was man als Student so in Cambridge erleben kann, und das, was man danach so erlebt.

Am Beginn der akademischen Reise steht die matriculation, die Aufnahme in ein College der Universität, in meinem Fall des College of Corpus Christi and the Blessed Virgin Mary, gegründet 1352. Das ist schon recht alt. Zum Vergleich, eine einzige deutschsprachige Universität ist älter: Prag, 1348. Was Cambridge – aber auch „The Other Place“ (handelsübliche Bezeichnung: „Oxford“) – auszeichnet, ist die Collegestruktur. Colleges sind die zeitgenössische Variante von Bursen. Studenten legen Geld zusammen, aus dem sie ihr alltägliches Leben finanzieren – vom Schlafplatz bis zum Essen. Der Vereinigung steht ein „Magister Collegii“, ein Master of the College vor. Funktionen und Aufbau haben sich freilich weiterentwickelt. Das Grundprinzip ist aber dasselbe. Das macht Colleges zu Verwandten von Studentenverbindungen.

Im Titel steht der Wahlspruch der University of Cambridge und viele Colleges haben eigene, altehrwürdige Wahlsprüche, etwa von Trinity College: Felix qui potuit rerum cognoscere causas – ein Zitat Vergils, das in etwa heißt: Glücklich, wer die Ursachen der Dinge erkennen konnte. Mein College hat keinen Wahlspruch, sondern einen toast, also einen Trinkspruch: Floreat antiqua domus!

Anlässlich der Matriculation gab es auch ein Festessen. Nach dem Käsegang wird ein (dem Vernehmen nach) mehr als 700 Jahre altes Auerochsenhorn befüllt und herumgereicht. Tradition, die man – in leicht alkoholischer Form – schmeckt. Ein Wiener Bundesbruder meinte: „Mmm…. Mittelalterlicher Herpes“.
Die Graduation ist das Ende und der Höhepunkt der akademischen Reise. Strahlend blauer Himmel und alle laufen mit so Kapuzen auf dem Talar („College gown“) rum. Diese Kapuzen hängen mit dem jeweiligen akademischen Grad zusammen. Für LL.M.s sind sie pink. Als ich meine am Tag zuvor abgeholt und im Zimmer auf einen Haken gehängt habe, erinnerte mich das rosa symmetrische Doppelfaltmuster justament an etwas ganz anderes.

All das wäre in Österreich innerhalb des eigentlichen universitären Rahmens recht schwer denkbar: Traditionen mag es geben, aber nicht auf diesem Level; soziale Gefüge gibt es, aber nicht in einer derart institutionalisierten Form. Für mich ist es aber kein Zufall, auf der einen Seite betont traditionell zu sein und auf der anderen Seite einen hohen Anspruch auf akademische Exzellenz zu stellen. Von den Studienbedingungen dort kann man in Österreich weitgehend nur träumen.

Fachlich wie persönlich eine Bereicherung

Von diesen neun Monaten Auslandsstudium habe ich viel mitgenommen, persönlich wie fachlich. Beruflich leistete der „LL.M.“ ausgesprochen viel, zum Teil auf eine sehr eigenartige Weise. Von den zig Gesprächspartnern, denen ich in verschiedenen Bewerbungsgesprächen im Zuge meiner (anwalts)juristischen Karriere gegenübersaß, waren die meisten von Cambridge positiv recht beeindruckt, aber es fragte mich exakt eine Person, was ich überhaupt fachlich in Cambridge konkret gemacht hatte. Anscheinend gilt schon der Titel als Garant für Sprach- und intellektuell-fachliche Kompetenz.

Und bis heute bin ich eng mit dem College verbunden – viel stärker als mit der Universität Wien –, sei es als Förderer oder als Teilnehmer von Juristendinner, um wieder einmal das Glas zu heben und zu rufen: Floreat antiqua domus!

Zwischen Tradition und Aufbruch: Studierendenleben in Cambridge im Spannungsfeld von Geschichte und Zukunft.
© UNSPLASH.COM/CHRIS-BOLAND