Zum Inhalt der Seite springen

Grundkurs des Lebens

Schule ist mehr als Stundenplan, Noten und neue Fächer. Sie prägt Werte, Erinnerungen und Selbstständigkeit. Entscheidend ist daher, wie viel Freiheit Schulen brauchen, damit junge Menschen nicht nur Wissen erwerben, sondern fürs Leben lernen.

Die Schulen von heute sind ein Spiegelbild der Gesellschaft von morgen. Sie formen die Zukunft unseres Landes, vermitteln Werte und hinterlassen Erinnerungen bei den Schülerinnen und Schülern, von denen man auch Jahrzehnte nach dem Schulabschluss noch erzählt. Es braucht mehr als das „bloße“ Erwerben von Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen, wenn Bildung die Jugend möglichst vielschichtig auf das spätere Leben vorbereiten soll.

Vor diesem Hintergrund stellen sich unweigerlich die Fragen, wie unser aktuelles Bildungssystem dasteht, was sich ändern und was bleiben muss. Die letzten Monate waren geprägt von medialer Berichterstattung über das Abschaffen alter und das Errichten neuer Fächer. Der eigentliche Kern der Debatte beschäftigte sich dabei nur mit den Fragen: Was soll mehr Stunden bekommen? Welche Fächer sollen gekürzt werden? Wie nennen wir diese neu eingeführten Fächer? Keinen Platz fand dabei der Blick auf das große Ganze, nämlich: Was brauchen Österreichs Schulen und was haben sie schon?

Schule mit Leidenschaft

Definitiv ist unser Bildungssystem nicht einfach aufgebaut. Seien es die verschiedenen Schultypen oder das differenzierte Schulsystem. Seien es die verschiedenen Kompetenzen, die sich Bund, Länder und Gemeinden aufteilen. Und natürlich gibt es ein großes Wort in der Bildungspolitik, das auch nicht zur Vereinfachung beiträgt: die Schulautonomie. Wir leben in einer Zeit, in der sich die Menschen nach weniger Komplexität sehnen. Das führt dazu, dass dieses verschachtelte System oftmals in der Kritik steht. Warum? Weil es eben kompliziert ist und weil es, zugegebenermaßen, den Schulalltag nicht immer einfacher macht.

Ich frage mich an dieser Stelle aber immer, was die Alternative wäre. Naheliegend wäre wohl ein einheitliches, zentralistisches Bildungssystem, das von einer einzigen Stelle verwaltet und geleitet wird. Dabei werden jedoch die enormen Vorzüge des Status quo außer Acht gelassen. Schülerinnen und Schüler haben in Österreich die nahezu einzigartige Möglichkeit, sich schon in jungen Jahren zu spezialisieren und ihren Interessensgebieten nachzugehen. Des Weiteren ermöglicht uns genau die, oftmals verhasste, Schulautonomie, dass einzelne Schulgemeinschaften die Möglichkeit haben, ihre Schulen zu gestalten und ihnen so auch einen eigenen Stempel aufzudrücken.

Wo findet Schule statt?

Diese Frage treibt mich seit Längerem umher, geprägt durch meine Erfahrungen als langjähriger Mathematik-Tutor. Zunehmend ist ein Trend zu beobachten, dass Kinder in jungem Alter mit, verhältnismäßig, guten Noten in die Nachhilfe geschickt werden. Einerseits ist natürlich der Wille zu begrüßen, besser als nur mit einem „Genügend“ oder „Befriedigend“ abschließen zu wollen. Andererseits verstehe ich Nachhilfe als ein Instrument, das Schülerinnen und Schüler in erster Linie vor einem drohenden Wiederholen einer Klasse schützen sollte.

Schließlich hat Schule überwiegend in ihr selbst stattzufinden und darüber hinaus, selbstverständlich je nach Alter, Bedarf und Schultyp verschieden, zu Hause beim Lernen. Keineswegs bin ich ein Gegner solcher Nachhilfeangebote. Die Entscheidung, Derartiges in Anspruch zu nehmen, ist überwiegend richtig und kann zu enormen Leistungssteigerungen beitragen. Die von mir angesprochene Problematik besteht jedoch darin, wenn Schülerinnen und Schüler, oft aus Bequemlichkeit seitens der Eltern, in Privatstunden untergebracht werden, in der Hoffnung, dass allein das für bessere Leistungen bei ihren Kindern sorgt. Am Ende des Tages soll es nicht nur um einen möglichst guten Abschluss gehen, der auf reinem Fachwissen basiert, sondern auch um das Erlernen von Fähigkeiten wie Selbstdisziplin und Eigenständigkeit.

Es gilt also, weiterhin beziehungsweise noch intensiver Möglichkeiten zu schaffen, damit sich einzelne Schulen und somit auch die Schülerinnen und Schüler frei entfalten können. Ziel muss eine Atmosphäre sein, die neben Fachwissen auch entsprechende Werte vermittelt.