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Symbolische 8.700 PS für unseren neuen Erzbischof Josef Grünwidl. © ERZDIÖZESE WIEN/SCHÖNLAUB

Vor den Vorhang: Sven Pöllauer

Mobilität ist mehr als von A nach B zu kommen. Bei den ÖBB treffen täglich Millionen Fahrgäste, große Infrastrukturprojekte und öffentliche Erwartungen aufeinander. Ein Blick auf eine Wachstumsbranche, die Österreich verbindet und Europas Bahnzukunft mitgestaltet.

Wir als ÖBB sind der größte Mobilitätsanbieter Österreichs mit mehr als 500 Millionen Fahrgästen im Jahr und 4.985 Zügen und 2.473 Postbussen täglich. Bei uns im Konzern darf ich die Themen PR, also interne und externe Kommunikation, Marketing und Public Affairs für den Personenverkehr verantworten. Das Schöne an unseren Produkten, also Mobilitätsdienstleistungen per Bus und Bahn, ist, dass wir eine Wachstumsbranche sind. Jahr für Jahr dürfen wir mehr Fahrgäste an Bord begrüßen, und das kann nicht jede Branche von sich behaupten. Liebe Grüße an dieser Stelle an die deutsche Autoindustrie 😉 Die Herausforderung ist aber auch, dass uns quasi jeder Österreicher und jede Österreicherin kennt und eine Meinung zu uns hat. Täglich erreichen uns Hunderte Meinungen über unsere Leistungen auf den Social-Media-Kanälen.

Was mich besonders an unserem Produkt reizt, ist die Zukunftsfähigkeit. Österreich investiert massiv in den Ausbau der Schieneninfrastruktur. Die Eröffnung der Koralmbahn im Dezember war ein Meilenstein, der Semmeringbasistunnel und der Brenner-Basistunnel werden die nächsten „Gamechanger“ sein. Diese Infrastruktur gibt uns als Personenverkehr die Möglichkeit, bessere Produkte, attraktive Fahrzeiten und bessere Taktung anbieten zu können. Um mehr Kapazität und Komfort bieten zu können, investieren wir bis 2030 mehr als 6 Milliarden Euro in neue Züge. Bevor ich zu den ÖBB gekommen bin, war ich rund zehn Jahre in politischen Büros von Regierungsmitgliedern tätig. So ist auch meine Liebe zur Bahn entstanden, weil ich in einem Kabinett für Infrastrukturthemen verantwortlich war. Meine Master-Thesis habe ich dann auch einem Bahnthema, der europarechtlichen Beurteilung von Unbundling der Schieneninfrastruktur, gewidmet. Mich reizt an meinem Job, dass ich jeden Tag neue Herausforderungen habe und viel gestalten kann. Außerdem gefällt mir die internationale Komponente an meinem Beruf. Wir arbeiten viel mit anderen europäischen Bahnen zusammen. Denn jeder zweite Fernverkehrszug der ÖBB startet oder endet im Ausland, etwa in München, Budapest, Bratislava, Triest, Zürich, Prag oder Ljubljana.

Was bedeutet Erfolg für dich?

Ein Motto von mir ist „progress over perfection“. Natürlich sollte man im Job immer sein Bestes geben und versuchen, gute Ergebnisse abzuliefern. Aber ich bin überzeugt, dass man nicht zu perfektionistisch sein sollte, wenn man viele Projekte gleichzeitig erledigt. Daher ist für mich Erfolg auch dann erreicht, wenn wir das Bestmögliche aus einer Situation herausgeholt haben, und nicht nur, wenn wir als Team oder ich als Person 100 Prozent erreicht haben. Manchmal muss man auch nach dem Motto „quick and dirty“ arbeiten, gerade wenn man im PR-Bereich tätig ist.

Was bedeutet Glück für dich?

Glück bedeutet für mich Unbekümmertheit. Also keine Angst vor morgen zu haben, keine finanziellen Sorgen, gesundheitlichen Probleme oder familiären Herausforderungen zu haben, die man nicht von sich aus lösen kann. Man sollte nicht nach Dingen streben, die man nicht erreichen kann, sondern sich auch über kleine Dinge freuen. Viele Menschen stehen ihrem Glück selbst im Weg, weil sie nur sehen, was die anderen besser haben. Aber das Gras sieht beim Nachbarn immer grüner aus.

Welche Fähigkeiten sollte man unbedingt entwickeln, um erfolgreich zu sein?

Eine der wichtigsten Fähigkeiten aus meiner Sicht ist, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Viele Führungskräfte scheitern daran, nicht delegieren zu können, alles selber machen zu wollen und sich im Mikromanagement zu verlieren. Ich bin überzeugt, dass ein Leader die Strategie vorgeben muss, wissen muss, wer in seinem Team diese Aufgabe am besten erfüllen kann und welche Themen prioritär angegangen werden müssen. Eine weitere Fähigkeit ist Menschenkenntnis, also zu merken, was mein Kunde will, was mein Chef beziehungsweise meine Eigentümer wollen und was meine Mitarbeiter leisten können beziehungsweise welche Ressourcen wir zur Verfügung haben. Die Erwartungshaltung von Kunde oder Eigentümer und die Leistungsfähigkeit des Teams in Einklang zu bringen, ist eine Herausforderung.