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Speisensegnung am Karsamstag. © KATH. KIRCHE KÄRNTEN/FOTO PICHLER/REGENBOGEN

Karsamstag in der Steiermark

Am Karsamstag zieht es in der Steiermark tausende Menschen zu Kirchen, Kapellen und Marterln: Die Segnung der Osterspeisen – liebevoll „Fleischweihe“ genannt – ist für viele ein fixer Bestandteil des Festes. Ein Blick auf einen Brauch, der Tradition, Glauben und Volkskultur verbindet.

Karwoche 2020: Ganz Österreich und somit auch die katholische Kirche befindet sich im ersten Lockdown. Jeder Priester überlegt sich, wie Ostern unter diesen uns damals noch völlig unbekannten Bedingungen stattfinden soll. In diesen Tagen läutet mein Handy sehr oft: „Herr Pfarrer, wie, wann und wo wird heuer unser Osterfleisch gesegnet?“

Die sogenannte Fleischweihe alias Osterspeisensegnung ist im gewissen Sinn das „achte Sakrament“ der Steirer und Kärntner. Wir haben dann im Lockdown letztlich eine gute Lösung finden können, sodass Fleisch und Würste, Eier und das süße Osterbrot gut „gweicht“ werden konnten.

An einem Karsamstag ist in den beiden südlichen Bundesländern in der Tat alljährlich eine Massenbewegung zu den Kirchen, Kapellen und Marterln auszumachen. Oft sind es alte Traditionen, die Ort und Zeitpunkt des sehr kurzen liturgischen Geschehens festlegen. Eventuelle Änderungen von Zeitpunkt und Ort sind demnach sehr schwierig.

Die Segnung der Osterspeisen außerhalb der Osternacht in einem eigenen Gottesdienst von maximal fünfzehn Minuten Länge stammt aus der Zeit vor der Reform der Karwoche durch Pius XII. im Jahr 1951. Bis dahin fanden sämtliche Zeremonien der Heiligen Drei Tage in der Früh statt. Auch die Osternacht wurde bereits am Morgen des Karsamstags gefeiert. Meist geschah dies unter sehr geringer Beteiligung des Volkes. Nur der Pfarrer, ein paar Ministranten und der Kirchenchor waren anwesend. Für das „gewöhnliche Volk“ gab es vielerorts eine Osterprozession am Abend des Karsamstags oder am Morgen des Ostersonntags.

Die früher meist fleischlose Fastenzeit war durch die Osternacht am Karsamstagmorgen also bereits um einen Tag früher beendet. Demnach konnte schon am Tag der Grabesruhe Jesu eine festliche Jause im Kreise der Familie gehalten werden. Und dieser Brauch hat sich bis heute gehalten.

Wenn also Priester außerhalb von Kärnten und der Steiermark einen eher geruhsamen Karsamstag haben, geht es bei uns durchaus rund. In manchen Pfarren werden von Priestern und seit einigen Jahren auch von Wortgottesfeierleitern bis zu dreißig „Fleischweihen“ gehalten.

Für die meisten, die kommen, ist es der einzige Berührungspunkt mit der Kirche. Viele sind seit langem ausgetreten und kommen zu Ostern dennoch zu ihrer Fleischweihe, zu ihrem Pfarrer.

Viele, teils lustige Beobachtungen konnte ich im Laufe der Zeit dabei machen.

Zu meinem ersten Ostern als Priester im Jahr 2009 war ich Kaplan in Leoben-Donawitz. Unzählige Menschen kommen zur Kirche mit Körben voller Köstlichkeiten. Etliche davon haben nach dem Abstellen der „Weihkörbe“ umgehend und noch vor Beginn der Feier die Kirche wieder verlassen und sich draußen mit Bier und Zigaretten die Zeit vertrieben.

Nach dem Ende der Fleischweihe kommt einer der vor der Kirche Wartenden zu mir und lobt mich:
„Servas, Pforra, schen woa die Mess, guat host des heit gmocht! Danke und schene Ostern!“

Weil es für viele der Jahreskirchgang ist, möchte ich den Menschen, die zu den Osterspeisensegnungen kommen, auch etwas von unserem christlichen Glauben an die Auferstehung Jesu mitgeben. Eine kurze, pointierte Predigt von drei oder vier Minuten ist dabei das Um und Auf des Ganzen.

Oft kommt unter Priestern, Pfarrmitarbeitern und regelmäßigen Kirchgehern das Argument auf: „Das sind doch eh nur Leute, die einmal im Jahr kommen.“ Ich halte dagegen: Immerhin kommen sie einmal im Jahr und nehmen im Idealfall auch etwas von unserer christlichen Botschaft mit.

Wenn wir zu Ostern festlich Mahl halten, setzen wir nur fort, was wir im Glauben feiern: nämlich den Sieg Jesu, des Sohnes Gottes, über den Tod. Eine uralte christliche Tradition.

Bei uns in der Steiermark sprechen wir vom „Weihfleisch“, das die Menschen zu Ostern mitbringen und wofür sie den Segen erbitten. Es geht also um den Segen Gottes. Und auch auf diese kurze und dennoch traditionelle Art kann Segen vermittelt und gespendet werden. Letztlich wollen wir als Kirche den Auftrag Jesu erfüllen und für alle Menschen Segen sein.