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Hl. Messe in der Osterzeit mit Bischof Hermann. © DIBK/CINCELLI

Meine Ostererfahrungen als Zeremoniar von Bischof Hermann

Zwischen sorgfältiger Vorbereitung, stiller Konzentration und großen liturgischen Momenten erlebt ein Zeremoniar die Karwoche aus nächster Nähe. Ein persönlicher Einblick in Ostern an der Seite von Bischof Hermann – und in jene ruhigen Augenblicke, in denen die Tiefe des Festes besonders spürbar wird.

Ostern ist für mich jedes Jahr eine Zeit besonderer Tiefe und innerer Sammlung. Als Zeremoniar von Bischof Hermann erlebe ich die Karwoche aus einer Perspektive, die geprägt ist von Verantwortung, Konzentration und einem Bewusstsein für die Bedeutung der liturgischen Formen. Vieles beginnt in der Vorbereitung. Wenn die Feiern von Palmsonntag bis Ostermontag klar geordnet sind, entsteht jene Ruhe, die notwendig ist, um die Liturgien würdig und gesammelt zu begehen. Diese Ruhe begleitet mich durch die gesamte österliche Zeit.

Der Palmsonntag führt uns oft in Pfarren, in denen gerade kein Priester zur Verfügung steht. Dort begegnet man der Pfarrgemeinde in ihrer eigenen Tradition. Man sieht, wie die Menschen ihren Glauben leben, wie Vereine und Musik mitgehen und wie vor Ort Jahrhunderte christlichen Brauchtums weitergetragen werden. Diese unmittelbare Nähe zur Gemeinde macht den Auftakt in die Karwoche jedes Jahr aufs Neue wertvoll.

Ein fester Höhepunkt der vorösterlichen Tage ist die Chrisammesse. Die Weihe des Chrisams, des Katechumenenöls und des Öls für die Krankensalbung verbindet die gesamte Diözese. Dass das Grundöl aus dem Heiligen Land stammt und über den Orden der Grabesritter zu uns kommt, verleiht der Feier eine eigene Würde. Ich bin beauftragt, die Öle vorzubereiten und zu mischen, meist gemeinsam mit jungen Menschen oder anderen Pfarrangehörigen. Die stille, konzentrierte Arbeit erfüllt das Haus mit einem feinen Duft und erinnert daran, wie tief die Sakramente in den Alltag der Kirche hineinwirken. In der Chrisammesse wird spürbar, wie groß die gemeinsame Verantwortung aller ist, die in der Diözese mitarbeiten.

Das Triduum ist für mich eine besonders ruhige Zeit. Die liturgischen Formen sind klar vorgegeben, was eine große innere Freiheit ermöglicht. Als Zeremoniar versuche ich, diese Ruhe weiterzugeben, denn sie hilft allen Beteiligten, sich ganz auf das Wesentliche zu konzentrieren. Bischöfliche Gottesdienste bringen naturgemäß eine gewisse Anspannung mit sich, doch gerade deshalb ist eine gute Vorbereitung wichtig. Am Gründonnerstag feiern wir meist auswärts in einer Pfarre, die um Unterstützung bittet. Die Fußwaschung gehört zu diesem Abend ebenso wie die Stille am Ende der Feier. Immer wieder bewegt mich die Nähe, die in diesem Ritus sichtbar wird, und die Dankbarkeit der Gemeinden, die sich darüber freuen, den Bischof bei sich zu haben.

Chrisammesse am Beginn der heiligen Woche. © DIBK/CINCELLI

Der Karfreitag und der Karsamstag beginnen um 7 Uhr mit der Trauermette. Dieses Gebet fügt sich harmonisch in den Charakter dieser beiden Tage ein. Am Karfreitag selbst kann ich am Abend die Liturgie im Dom einfach mitfeiern, was jedes Jahr eine wohltuende Erfahrung ist. Der Karsamstag führt uns traditionsgemäß zu einem Besuch beim Ostergrab, oft in Wilten oder in einer Kirche der Umgebung. Der restliche Tag dient der Erholung und der Vorbereitung auf die Osternacht.

Die Osternacht ist für mich der geistliche Höhepunkt. Wir feiern in einer Pfarre, die gerade Unterstützung benötigt, und erleben dort eine Atmosphäre großer Sammlung und Dankbarkeit. Auch in meiner Aufgabe kann ich diese Liturgie bewusst und intensiv mitfeiern. Das aufstrahlende Licht, das wachsende gemeinsame Gebet und die Freude der Gemeinde machen diese Nacht jedes Jahr eindrucksvoll.

Der Ostersonntag verläuft wieder ruhig. Ein Kartellbruder übernimmt die liturgische Verantwortung im Dom, und ich kann die Feier der Auferstehung unbeschwert mitfeiern. Am Abend kommen alle, die in der Karwoche und zu Ostern gewirkt haben, zu einer gemeinsamen Vesper und einer Osterjause zusammen. Es ist ein Abschluss, der die Gemeinschaft stärkt und dem Fest einen würdigen Ausklang gibt. Gerade zu Ostern bin ich dankbar für die Zeit, die bleibt: Zeit für Gespräche, für Austausch und Reflexion und Zeit für das gemeinsame Gebet mit Bischof Hermann, das in diesen Tagen eine besondere Intensität erhält. Ostern ist für mich nicht nur der liturgische Höhepunkt des Jahres, sondern eine Zeit der Erneuerung, der Gemeinschaft und des stillen Dankes.