Voice of Europe: „I werd‘ lachen“
Ostern ist nicht nur ein Fest der Hoffnung, sondern auch der Freude. Eine fast vergessene Tradition erinnert daran: das „Osterlachen“. Zwischen Glauben, Selbstironie und überraschenden Missverständnissen zeigt sich, dass christlicher Glaube auch heiter sein darf – und manchmal gerade im Lachen seine Tiefe findet.
Glaube, Hoffnung, Liebe – der Dreiklang aus dem Korintherbrief gehört zu gängigen Beschreibungen christlichen Glaubens. Alle drei sind auch verbunden mit dem Humor. Gehen wir davon aus, der Humor ist eines der großen Geschenke des Schöpfers an sein Geschöpf. Der Humor ist Lebens-, Nahrungs-, Genuss- und Heilmittel für Seele, Geist und Körper. Feinster Humor ist Selbstironie.
Das „Osterlachen“ ist eine schöne kirchliche Tradition. Nach dem Geschehen der Osternacht, in der im Exsultet-Gesang die überschwängliche Freude zum Ausdruck kommt, in dem sogar das Material der Osterkerze als „köstliches Wachs der Bienen“ gewürdigt wird, darf nicht nur gelacht werden; es muss gelacht werden! Als „glückliche Schuld“ wird gar die Sünde besungen, weil sie den „großen Erlöser gefunden hat“.
Für Augenblicke überschreitet der Glaube die Grenze zu jener Gewissheit, dass uns nichts schaden kann, nichts verloren ist, alles heil wird; weil Jesus auferstanden ist. – „Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss…“ Wo die Liebe fehlt, fallen solche Sätze; damals wie heute. Er musste sterben. Verlacht hat man Ihn; haben wir ihn? Doch Er ist auferstanden. – „I werd‘ lachen, i werd‘ singen, i werd‘ ‚des gibt’s ned‘ schrein“, heißt es in einer Ballade von Ludwig Hirsch. Vielleicht darf man sich so das Lachen vorstellen, wenn sich dereinst alles fügt.
Am Ostersonntag 2016 stand auf der Seite eines Medienunternehmens, das jeder kennt, am Ende eines Artikels über die Grabeskirche wörtlich: „Nach christlicher Überlieferung liegt der Heiland in der Kirche … begraben.“ Ich habe das damals getwittert, mit dem Hashtag #Osterlachen. Ich habe einen Freund in der Leitung der Religionsredaktion darauf hingewiesen. Dieser hat ein Emoji geschickt, das schockiertes Erstaunen ausdrücken soll. Dann wurde der Text auf „… lag … begraben“ geändert…
An jenem Tag, an dem der Erdkreis die Auferstehung feiert, verlautete das Medium, Jesus liegt in einem Grab. Im selben Atemzug wird dieser Jesus aber als „der Heiland“ bezeichnet. Diese Verwirrung ist zum Lachen. Selbstverständlich wäre es unangebracht, primär über den mutmaßlich in den Osterferien als Praktikant Tätigen zu lachen, der vielleicht nie einen Religionsunterricht genossen hat.
Nein, es geht tiefer: Im heutigen Westeuropa würde der Fehler in dem Artikel den meisten nicht auffallen; und viele würden unhinterfragt zur Kenntnis nehmen, dass Jesus wo in einem Grab liege. Auch wenn etwa in Frankreich die Kirche wächst, ist eine gewisse Marginalisierung nicht zu leugnen. Hier können wir Christen helfen und heilen; aber nicht mit Bitterkeit, sondern mit Humor, mit Selbstironie, mit Osterlachen.