Ostern in Nigeria
Zwischen lebendigen Gottesdiensten, gesellschaftlichen Spannungen und großer Hoffnung feiern Christen in Nigeria Ostern. Glaube, Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung prägen das wichtigste Fest des Kirchenjahres.
Ostern in Nigeria klingt für viele nach Hitze statt Frühlingsluft und nach einer Kirche, die anders feiert als in Österreich. Hinter der festlichen Atmosphäre steht jedoch ein komplexes gesellschaftliches Umfeld. Vor allem im Norden sind Christen eine Minderheit, und es kommt dort immer wieder zu Spannungen. In manchen Regionen erschweren Jugendbanden oder Gruppen von Straßenkindern die Lage zusätzlich. Kirchliche Projekte im Norden erfordern daher besondere Umsicht und sorgfältige Planung.
Dennoch bleibt Ostern ein Fest voller Hoffnung. Vierzig Tage Fastenzeit bereiten auf die Auferstehung Christi vor, dann folgt das Triduum Sacrum – vom Gründonnerstag über den Karfreitag bis zur Osternacht am Karsamstag. Diese Tage bilden auch in Nigeria das Herzstück des Kirchenjahres.
Die Heiligen Drei Tage
Am Gründonnerstag steht das letzte Abendmahl im Mittelpunkt. Gläubige versammeln sich in Pfarren und Gemeinschaften, um dieses Zeichen der Hingabe Jesu zu feiern. Der Karfreitag ist streng dem Fasten gewidmet. Vielerorts wird die Passion Christi im Kreuzweg eindrucksvoll nachgestellt. Der Karsamstag beginnt still und geprägt vom Innehalten. Viele nutzen die Stunden für Gebet und Meditation.
Von der Stille zur Osterfreude
Mit dem Osterfeuer in der Osternacht wandelt sich die Stimmung. Manche empfangen die Taufe oder erneuern ihr Taufversprechen. Am Ostersonntag wird die Auferstehung Christi in lebendigen Gottesdiensten gefeiert. Danach folgen Festessen, Besuche bei Verwandten und Freunden sowie Tanz und Musik. Auch der Ostermontag steht im Zeichen der Gemeinschaft. Jeder bringt selbstgekochte Speisen mit, man teilt großzügig. Das klassische Osterei spielt hingegen kaum eine Rolle.
Glaube, Jugend und Zusammenhalt
Um Nigeria zu verstehen, muss man die Kraft von Religion und Gemeinschaft begreifen. Rund 70 Prozent der Bevölkerung sind unter 30 Jahre alt. Viele Menschen leben unter schwierigen Bedingungen, Armut ist weit verbreitet. Zugleich stärkt sie den Zusammenhalt: Man teilt das Wenige, das vorhanden ist, und unterstützt sich gegenseitig.
Christen und Muslime zwischen Freude und Spannung
Religiös ist Nigeria geteilt: Im Süden leben überwiegend Christen, im Norden überwiegend Muslime. Entsprechend wird Ostern im Süden besonders farbenfroh gefeiert. Im Norden sind Christen in der Minderheit, und es kommt vereinzelt zu Spannungen oder auch zu Übergriffen.
Zeichen des Miteinanders
Gleichzeitig gibt es viele Zeichen des Respekts. Zum Ende des Ramadan besuchen Muslime auch christliche Familien und teilen ihr Festessen. Umgekehrt teilen Christen im Süden ihre Osterfreude mit muslimischen Nachbarn. Trotz mancher Herausforderungen leben Christen und Muslime vielerorts friedlich zusammen. So bleibt Ostern in Nigeria – auch unter besonderen Bedingungen – ein starkes Zeichen der Hoffnung, der Gemeinschaft und des Glaubens.
| Nigeria ist mit rund 220 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Trotz großer Rohstoffvorkommen leben viele Menschen in Armut. Besonders Kinder und Jugendliche sind betroffen: Laut UNICEF können etwa 10,5 Millionen Kinder keine Schule besuchen. Viele ziehen in Städte wie Lagos, wo rund 100.000 Straßenkinder unter gefährlichen Bedingungen leben. Gemeinsame Hilfsprojekte der Salesianer mit der Entwicklungshilfeorganisation Jungend Eine Welt schaffen Schutz, Bildung und neue Zukunftsperspektiven. Projekt: „Mit Bildung Zukunft gestalten“ der Salesianer in Nigeria https://www.jugendeinewelt.at/projekte/laender/afrika/nigeria/mit-bildung-zukunft-gestalten/ |