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Wie Ostern für mich gewachsen ist

Vom fröhlichen Ratschengehen der Kindheit bis zur bewussten Vorbereitung auf das Fest der Auferstehung: Der Blick auf Ostern verändert sich mit den Jahren. Eine persönliche Reflexion darüber, wie Tradition, Glaube und Leben Schritt für Schritt zusammenfinden.

Wie ich das Osterfest heute feiere? Darauf kann ich mit einem Lächeln antworten: anders als früher – und nächstes Jahr wieder anders als dieses Jahr.

Das mag auf den ersten Blick etwas philosophisch klingen, aber die Art und Weise, wie ich das Osterfest, die Auferstehung Jesu Christi, feiere, hat sich in den Jahren meines doch noch jungen Lebens stetig verändert – nach außen hin nicht grundsätzlich, aber innerlich doch gewaltig.

In meiner Kindheit war das Osterfest in erster Linie ein fröhliches Fest. Das Ratschengehen, das Absammeln sowie die Verteilung von Süßigkeiten und Ratschengeld sind im Weinviertel wohl den meisten, die in einer katholischen Familie dort aufgewachsen sind, ein Begriff. Ebenso gehörten gutes Essen, die Osternestsuche, Familienbesuche und kleine Geschenke für die Kinder – wie vielerorts – auch bei mir dazu. Alles in allem war es ein fröhliches Fest. Die Sache mit der Passionsgeschichte, der Kreuzverehrung oder der dunklen Kirche zu Beginn des Osternachtgottesdienstes verstand ich damals ohnehin noch nicht ganz.

Ab einem gewissen Zeitpunkt – zeitlich muss es etwa zur Hälfte meiner Aktivenzeit bei der Bergland Wieselburg gewesen sein – kam Jahr für Jahr auf der einen Seite ein tieferes Verständnis für das Osterfest hinzu, also für das Ernste, das mit dem Tod Jesu verbunden ist. Gleichzeitig entstand aber auch der unbewusste Versuch, diese Auseinandersetzung zu verdrängen.

Bei mir waren es viele einzelne Aspekte, die im Laufe der Zeit dazu beigetragen haben, dass das Erkennen des Wertes des Osterfestes auch das Erkennen dieses Verdrängens mit sich brachte. Im Nachhinein bin ich sehr dankbar dafür – nämlich jedem Einzelnen, oft Bundesbrüdern, die mich auf diesem Weg begleitet haben.

War es der Palmsonntagsgottesdienst auf der Landesverbandsschulung am Edelhof, den ich als Mitarbeiter acht Jahre lang im Waldviertel mitfeierte? War es die Osterbeichte bei unserem Verbindungsseelsorger der Herulia Wolkersdorf, die Grabwache in Vollwichs beim Heiligen Grab in der Stadtpfarrkirche, ein Einkehrtag der Legion Mariens über die Bedeutung des Paschafestes zur Zeit Jesu oder das Essen mit der Familie nach der Osternachtmesse?

All das sind Bausteine, die Jahr für Jahr mein Bewusstsein dafür schärften, was zu Ostern geschieht. Jesus stirbt für uns und schenkt uns durch seinen freiwilligen Tod für alle Zeit die Chance, uns von dem abzuwenden, was uns von ihm trennt – und es ihm zu übergeben, damit sein Tod am Kreuz nicht umsonst war.

Ich kann euch, liebe Bundes- und Kartellbrüder, nur ermuntern, euch dies vor Augen zu führen und euch jedes Jahr aufs Neue auf dieses wichtigste Fest unseres Glaubens vorzubereiten. Denn ohne Vorbereitung ist es schnell vorbei.

Genau das musste ich letztes Jahr schmerzlich feststellen. Veränderungen in unseren Lebensumständen brauchen die starke Entscheidung, sich auch unter neuen Gegebenheiten bewusst vorzubereiten. Es hat letztlich damit zu tun, ob du bereit bist, vom Alltag Abstand zu nehmen und dich darauf einzulassen, jedes Jahr neu zu entdecken, dass Ostern ein wirklich fröhliches Fest ist. Denn der Herr ist gestorben und auferstanden – auch für dich. Halleluja!