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Das „achte steirische Sakrament“: Die Fleischweih‘

Schinken, Eier, Kren und Pinze im geschmückten Korb: In der Steiermark und in Kärnten gehört die „Fleischweih‘“ fest zu Ostern. Der alte Brauch der Speisensegnung zieht jedes Jahr tausende Menschen an – und wird nicht ohne Augenzwinkern als „achtes steirisches Sakrament“ bezeichnet.

Die Speisensegnung zu Ostern, in den südlichen Bundesländern volkstümlich auch als Fleischweihe bezeichnet, ist ein alter katholischer Brauch in einigen alpenländischen Gebieten Österreichs, Bayerns und Südtirols.

Wobei die Bezeichnung „Weihe“ hier nicht ganz richtig ist. „Geweiht“ werden nämlich nur Personen und Gegenstände, wenn sie für den öffentlichen, sakramentalen Gottesdienst bestimmt sind, wie Priester, Kirche, Altar und ähnliches. Gesegnet wird hingegen alles, was für den privaten und weltlichen Gebrauch verwendet wird, wie eben Speisen, Schulen oder Sportanlagen. Der Volksmund hat sich hier aber durchgesetzt.

Im bairischen Raum ist die Segnung der Osterspeisen bis ins 7. Jahrhundert zurück belegt. Erinnert werden soll an die Tischgemeinschaft mit Jesus und den Aposteln. Aber auch der Volksglaube, dass die Nahrungsmittel durch die Segnung besondere Kräfte gewannen, sei nicht unerwähnt.

In Österreich sind es vor allem die Steirer und die Kärntner, die diesen Brauch exzessiv zelebrieren. Ein Weidenkorb gefüllt mit Schinken, Eiern, Kren und Osterpinze (in Kärnten darf natürlich der Reindling nicht fehlen), bedeckt mit einer reichlich verzierten Weihkorbdecke und einem Palmkatzerlbüschel werden möglichst nahe vor dem Zelebranten positioniert. Die Weihwasserspritzer sollen den Korb ja unbedingt erreichen können.

In beiden Bundesländern „stürmt“ zirka ein Viertel der Bevölkerung am Karsamstag zwischen 9 und 15 Uhr zur Fleischweih‘, die meist nicht im Rahmen einer heiligen Messe in der Kirche stattfindet, sondern bei Kapellen, Bildstöcken oder Wegkreuzen, aber auch in Gärten von Pfarrmitgliedern oder Seniorenheimen. Die Segnungen finden fast im Halbstundentakt statt, wobei die jeweiligen Andachten, die jedenfalls ein Segensgebet, das Besprengen der Körbe mit Weihwasser und ein Vater unser beinhalten auch durchaus umfangreicher gestaltet werden können (Lesung, Musikteile u.a.).

Die Fleischweihe gehört jedenfalls in vielen Orten zu den bestbesuchten Gottesdiensten im Jahreslauf. Eine Untersuchung im Rahmen einer Diplomarbeit ergab, dass sich 68 % der Befragten Ostern ohne „Fleischweihe“ nicht vorstellen können. 53 % der Befragten beschrieben sie als „wichtig“, 31 % sogar als „sehr wichtig“. Anders sieht es bei der Feier der Osternacht aus, an der nur ein niedriger einstelliger Prozentsatz der Bevölkerung mitmacht.

Die österliche Speisensegnung findet üblich im Anschluss an die Feier der Osternacht statt und beschließt damit auch die vierzigtägige Fastenzeit. Diese Feier hat sich im Laufe der Zeit immer weiter nach vorne verschoben. In den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts wurde durch Papst Pius XII. die Osterfeier und die folgende Speisensegnung erst probeweise und danach endgültig wieder in die Abendstunden verlegt.

Auch die Steirer und Kärntner beschließen mit der Fleischweih‘ die Fastenzeit, diese damit aber schon nach 39 ½ Tagen.

Die Fleischweih‘ verdrängt oft den eigentlichen Feiergrund. Der Segen für die Speisen ist wichtig, aber das Festgeheimnis erleben wir nur im Mitfeiern der Osternacht. Christus ist auferstanden, halleluja!