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Festgottesdienst im byzantinischen Ritus zur Vollversammlung der Bischöfe der katholischen Ostkirchen Europas. © Erzdiözese Wien/Schönlaub

Geführt von Gott – Mein Weg in die Berufung

In einem Lied über das Volk Israel heißt es: „Durch die Jahrtausende von Gott geführt.“ Ich habe zwar keine Jahrtausende erlebt, doch wenn ich auf mein Leben zurückblicke, kann ich voller Überzeugung sagen: Ich wurde geführt.

Mit 13 Jahren fand ich meinen persönlichen Zugang zum Glauben und meine Beziehung zu Christus. Schon bald erwachte in mir der Gedanke an eine Berufung zum Mönch. Aufgewachsen im südlichsten Zipfel Niedersachsens, einer stark evangelisch geprägten Gegend, fehlten mir jedoch die Möglichkeiten, diesen Weg näher kennenzulernen.

Da mir der Weg zu Abitur und Studium zunächst versperrt war, begann ich 1990 eine Ausbildung zum Krankenpfleger und blieb 20 Jahre in diesem Beruf. Doch der Ruf zum geistlichen Leben ließ mich nie los. Immer wieder tastete ich mich an die Frage heran – erst an das Mönchtum, später auch an das Priester sein.

Mein Weg führte mich schließlich über die orthodoxe Kirche in eine katholische Ostkirche. Die katholische Kirche besteht aus mehr als 20 eigenständigen Kirchen, die sich unter dem Papst vereinen. Die größte davon ist die römisch-katholische Kirche, doch daneben existieren auch Ostkirchen, die ihre eigenen Riten und Traditionen bewahrt haben sowie einem eigenen Kirchenrecht folgen.

Mein Weg führte mich schließlich über die orthodoxe Kirche in eine katholische Ostkirche.

Um meiner Berufung folgen zu können, begann ich 2008 das Abendgymnasium in Stuttgart, das ich 2012 mit dem Abitur abschloss. Anschließend studierte ich katholische Fachtheologie an der Universität Wien. In Österreich fand ich schließlich auch meinen Platz: Zunächst im Kloster, dann im Priesterseminar der Erzdiözese Wien, wo ich auf die Priesterweihe vorbereitet wurde.

Am 1. Juni des vergangenen Jahres wurde ich im Wiener Stephansdom von einem Bischof aus der Ukraine zum Priester geweiht. Doch auch das Mönchsein blieb Teil meiner Berufung. Da es im deutschsprachigen Raum kein byzantinisch-katholisches Kloster gibt, führte mich ein Auslandsaufenthalt während der Seminarzeit in ein solches Kloster in den USA. Nach meiner Weihe kehrte ich dorthin zurück, wurde Mönch dieses Klosters – und kehrte als Priestermönch (Hieromonach) nach Wien zurück.

Kupferstich-Illustration von drei Männern aus ersten studentischen Orden
Byzantinische Göttliche Liturgie im Wiener Stephansdom. 
© Erzdiözese Wien/Schönlaub

Da ich in einem lateinischen Priesterseminar ausgebildet wurde, benötigte ich von Rom die Erlaubnis, in beiden Riten – dem lateinischen und dem byzantinischen – tätig sein zu dürfen. Diese Erlaubnis umfasst nun auch meine priesterliche Arbeit: Ich darf in beiden Riten gültig die Sakramente spenden.

Heute bin ich mit einer halben Dienstverpflichtung Kaplan im Pfarrverband Margareten (Wien 5). Die andere Hälfte meiner Aufgabe widme ich dem Aufbau eines byzantinisch-katholischen Zentrums in Wien – einem Ort der Begegnung mit der Spiritualität und Liturgie der Ostkirchen.